Ein Löffel Sauerkraut zum Abendbrot, ein Glas Kefir am Morgen, ein paar Gabeln Kimchi zur Bowl am Mittag. So unscheinbar diese kleinen Gewohnheiten wirken, sie können einiges bewegen, wenn Sie Ihre Darmgesundheit fördern möchten. In Ihrem Darm leben rund 39 Billionen Mikroorganismen, die zusammen einige hundert Gramm wiegen und einen großen Einfluss auf Verdauung, Immunsystem und Wohlbefinden haben. Fermentierte Lebensmittel sind eine der ältesten und einfachsten Möglichkeiten, dieses unsichtbare Ökosystem zu unterstützen. Sie sind alltagstauglich, günstig und schmecken oft besser als gedacht, sobald Sie sich an sie gewöhnt haben.

Das Mikrobiom verstehen ohne Mediziner zu werden

Stellen Sie sich Ihren Darm als dicht besiedelte Stadt vor, in der unzählige verschiedene Bewohner zusammenleben. Bakterien, Hefen und andere Mikroorganismen bilden gemeinsam das Mikrobiom, und je vielfältiger diese Gemeinschaft ist, desto stabiler funktioniert sie. Eine einseitige Ernährung verarmt diese Vielfalt mit der Zeit, eine abwechslungsreiche füttert sie. Genau deshalb lohnt es sich, regelmäßig Lebensmittel auf den Tisch zu bringen, die lebende Kulturen mitliefern.

Spannend ist, wie eng der Darm mit der Abwehr verknüpft ist. Ein sehr großer Teil der antikörperproduzierenden Zellen des Immunsystems sitzt direkt in der Darmschleimhaut. Wenn Sie Ihre Darmgesundheit fördern, tun Sie also nebenbei auch der körpereigenen Abwehr etwas Gutes. Das bedeutet umgekehrt nicht, dass Sauerkraut Erkältungen verhindert oder Beschwerden heilt. Solche Versprechen wären unseriös. In der Hand haben Sie trotzdem viel, denn Sie können dem Mikrobiom regelmäßig Nachschub und Futter liefern.

Fermentierte Lebensmittel füttern das Mikrobiom

Eine 2021 im Fachjournal Cell veröffentlichte Studie der Stanford School of Medicine zeigte, dass eine zehnwöchige Ernährung mit einem hohen Anteil an fermentierten Lebensmitteln die Vielfalt des Mikrobioms messbar erhöht und gleichzeitig bestimmte Entzündungsmarker im Blut senkt. Bemerkenswert daran ist, dass sich die Ernährung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sonst kaum verändert hat. Sie aßen schlicht mehr Sauerkraut, Kefir, Joghurt und Kimchi.

Fermentierte Lebensmittel wie Kefir und Sauerkraut, die die Darmgesundheit fördern

Kefir, Joghurt und Sauerkraut bringen lebende Kulturen mit auf den Tisch. Essen Sie solche Lebensmittel regelmäßig, füttern Sie das Mikrobiom Tag für Tag ein kleines Stück mehr.

Der Grund liegt im Zusammenspiel zweier Bausteine. Fermentierte Lebensmittel bringen lebende Bakterien mit, die Probiotika, und enthalten oft auch die Ballaststoffe, von denen sich diese Bakterien ernähren, die Prebiotika. Erst zusammen entfalten sie ihre günstige Wirkung. Ein Kefir zum Vollkornbrot oder Kimchi zu einer Schüssel Reis liefert beides in einer Mahlzeit. Sie müssen dafür nichts radikal umstellen, sondern nur an den richtigen Stellen ergänzen.

Sauerkraut, Kefir und Kimchi im Alltag

Am leichtesten gelingt der Einstieg mit Lebensmitteln, die Sie ohnehin mögen. Joghurt mit lebenden Kulturen ist für viele der vertrauteste Anfang, am besten ungesüßt und mit eigenen Beeren verfeinert. Kefir schmeckt etwas säuerlicher und lässt sich pur trinken oder unter einen Smoothie rühren. Sauerkraut muss nicht immer als warme Beilage auf den Teller, roh und kalt behält es seine Kulturen sogar besser.

Selbst eingelegtes Sauerkraut und Kimchi im Glas zur Förderung der Darmgesundheit

Roh und kalt genossen behalten Sauerkraut und Kimchi ihre lebenden Kulturen am besten. Schon ein paar Gabeln zur Hauptmahlzeit reichen, um regelmäßig etwas für den Darm zu tun.

Achten Sie beim Einkauf auf den Hinweis, dass die Produkte lebende oder aktive Kulturen enthalten und nicht durchgehend hocherhitzt wurden. Stark pasteurisiertes Sauerkraut aus der Konserve schmeckt zwar, hat seine nützlichen Bakterien aber meist eingebüßt. In der Kühltheke werden Sie eher fündig als im Konservenregal. Mit etwas Lust und wenig Aufwand setzen Sie Sauerkraut oder Joghurt sogar selbst an.

Klein anfangen und dranbleiben

Der Darm mag keine Hauruck-Aktionen. Wenn Sie bisher selten fermentierte Lebensmittel gegessen haben, beginnen Sie mit kleinen Portionen, einem Esslöffel Sauerkraut oder einem halben Glas Kefir, und steigern langsam. So gewöhnt sich die Verdauung an die neuen Kulturen, ohne dass es im Bauch rumort. Vielfalt schlägt dabei Menge: Lieber abwechselnd verschiedene Sorten als jeden Tag dasselbe in großen Mengen.

Entscheidend ist die Regelmäßigkeit. Eine einzelne Portion Kimchi verändert wenig, ein fester Platz im Wochenrhythmus dagegen viel. Koppeln Sie die neue Gewohnheit an etwas Bestehendes, den Kefir ans Frühstück, das Sauerkraut ans Abendbrot. Dann müssen Sie nicht jeden Tag neu daran denken, und das Mikrobiom bekommt verlässlich, was es braucht.

Bei anhaltenden Beschwerden zur Ärztin

So hilfreich fermentierte Lebensmittel im Alltag sind, sie ersetzen keine ärztliche Abklärung. Bei anhaltenden Verdauungsproblemen, starken Schmerzen, Blut im Stuhl oder dem Verdacht auf eine Unverträglichkeit ist die Hausärztin oder der Apotheker die richtige Anlaufstelle, nicht der Küchentisch. Manche Menschen vertragen größere Mengen fermentierter Kost zudem schlechter, etwa bei bestimmten Erkrankungen. Im Zweifel lohnt sich ein kurzes Gespräch in der Praxis.

Für die meisten gilt aber: Den Darm zu unterstützen ist weniger eine Frage der großen Umstellung als der kleinen, verlässlichen Gewohnheiten. Ein Glas Kefir am Morgen, etwas Sauerkraut zum Abendbrot, ab und zu Kimchi zur Bowl. Probieren Sie aus, was Ihnen schmeckt und gut bekommt, und geben Sie Ihrem Mikrobiom die Zeit, sich an die neue Vielfalt zu gewöhnen.

Fotos: Textnetz, Generiert mit KI