Mädchen im Männerberuf – na und?

Mädchen im Männerberuf – na und?: KFZ-Meister zeigt der jugendlichen Auszubildenden die Prüfung der Auspuffanlage am Unterboden in der Autowerkstatt.
Viele Kfz-Meister haben kein Problem damit, auch Mädchen auszubilden.

Jasmin liebt Autos. Schon als kleines Mädchen hat sie mit ihrem Vater an seinen Autos geschraubt. „Nach dem Realschulabschluss wollte ich dann mein Hobby zu meinem Beruf machen. Aber das war gar nicht so einfach.“ erzählt die zierliche junge Frau. Vorurteile gegen Frauen in Männerberufen gibt es immer noch. Jasmin hat viele Bewerbungen geschrieben, bevor sie eingeladen wurde.  In den Bewerbungsgesprächen musste sie immer wieder versichern, dass sie auch körperlicher Anstrengung gewachsen ist. Mittlerweile hat sie ihre Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin beendet und ist in ihrem Betrieb akzeptiert und anerkannt. „Zuerst war  ich in der Berufsschule und im Betrieb das einzige Mädchen. Aber die Zeiten sind vorbei. Es arbeiten immer mehr Frauen in Männerberufen. Für viele ist das jetzt nichts Besonderes.“ Die junge Frau ist selbstbewusst und kennt inzwischen auch alle dummen Sprüche. Sie lacht darüber und ist schlagfertig geworden.

Was sind eigentlich der typische Männerberuf?

Dieser Begriff verschwimmt mehr und mehr. Früher ging die Gesellschaft davon aus, dass alle Berufe, die körperlich anstrengend sind, nicht für Frauen geeignet sind. Außerdem sollten Frauen sich nicht schmutzig machen und die Meinung, dass Frauen nichts von Technik verstehen, war weit verbreitet. Dieses Rollenbild hat sich sehr verändert. Die jungen Frauen haben festgestellt, dass sie in einigen herkömmlichen Männerberufen mehr Geld verdienen als in typischen Frauenberufen. Außerdem sind die Berührungsängste vieler Mädchen mit Technik durch unseren digitalisierten Alltag  deutlich geringer geworden. Deshalb bewerben sich immer mehr Frauen als IT-Technikerin, Schiffsmechanikerin, Mechatronikerin, Malerin oder sogar im Betonhandwerk. Laut einer Studie des Bundesinstitut für Berufsbildung addierte sich bis 2015 die jährliche Anteilsteigerung junger Frauen in Männerberufen auf einen Zuwachs von durchschnittlich über zwei Prozent. Im Beruf Tischler/-in um +5,0%, Maler/in und Lackiererin um +6,5% und bei den Bäcker/innen sogar um +7,7%. Damit gilt das Bäckerhandwerk als gemischter Beruf.

Junge Frau in einem Labor in weißem Kittel mit Schutzbrille - Mädchen im Männerberuf
Nur jeder zweite Studienplatz in Chemie wird von Mädchen besetzt, obwohl viele Mädchen in der Schule gute Noten in Chemie erhalten.

Jeder sollte das tun, was er kann

Junge Frau mit Notizbuch zwischen Servern im Rechenzentrum. Mädchen im Männerberuf – na und?
Die IT-Branche sucht Nachwuchs. Hier sind Frauen herzlich willkommen.

Mädchen, die über einen Männerberuf nachdenken, sollten sich genau informieren. Der jährliche Girls‘ Day ist beispielsweise eine gute Gelegenheit, um in den Arbeitsalltag zu schnuppern. Aber auch ein Praktikum ist sinnvoll, um tiefere Einblicke zu erhalten. Auf jeden Fall sollten die Mädchen ehrlich zu sich selbst sein. Wer sich im Handwerk bewirbt, nur weil die Freundin das vorschlägt, wird wahrscheinlich nicht glücklich werden. Ob Junge oder Mädchen – jeder sollte seinen Interessen nachgehen, ganz besonders bei der Berufswahl. Ebenso dürfen Mädchen sich nicht scheuen, technische Berufe zu wählen. Schülerinnen, die während der Schulzeit ihre Begeisterung für Physik, Chemie und Mathe entdecken, werden wahrscheinlich Karriere machen, wenn Sie Ihre Studien- und Berufswahl danach ausrichten. Die Chancen stehen gut. Denn in sogenannten MIND-Berufen (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) herrscht großer Fachkräftemangel. Hier werden Nachwuchskräfte dringend gesucht.

 

Foto: Fotolia-runzelkorn, Fotolia-conorcrowe, Fotolia-Frauen im Männerberuf

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