Wasser ist die kostbarste Ressource im Garten, und gleichzeitig die, mit der wir am verschwenderischsten umgehen. An heißen Sommertagen fließen in deutschen Gärten täglich tausende Liter Trinkwasser durch Rasensprenger, Gartenschläuche und Gießkannen in den Boden, wo ein großer Teil davon ungenutzt verdunstet, bevor er die Wurzeln der Pflanzen überhaupt erreicht. Dabei lässt sich der Wasserverbrauch im Garten mit ein paar durchdachten Maßnahmen drastisch reduzieren, ohne dass eine einzige Pflanze darunter leidet. Im Gegenteil: Pflanzen, die weniger, dafür aber klüger gegossen werden, bilden tiefere Wurzeln und überstehen Trockenperioden deutlich besser.
Regenwasser sammeln – die naheliegendste Lösung
Ein einziger kräftiger Sommerregen füllt die Tonne bis zum Rand. Regenwasser ist kostenlos, kalkfrei und für die meisten Pflanzen besser verträglich als Leitungswasser – die naheliegendste aller Sparmaßnahmen.
Jeder Regenschauer liefert kostenloses, kalkfreies und pflanzenverträgliches Wasser direkt auf Ihr Dach. Es wäre absurd, dieses Geschenk ungenutzt in die Kanalisation laufen zu lassen und stattdessen den Wasserhahn aufzudrehen. Eine Regentonne am Fallrohr des Hausdachs ist der einfachste Einstieg. Bei einem Dach mit 50 Quadratmetern Fläche sammeln Sie bei einem einzigen kräftigen Sommerregen mit 20 Litern pro Quadratmeter ganze 1.000 Liter Wasser. Das reicht für Wochen, wenn Sie es klug einsetzen.
Wer mehr Platz und etwas Investitionsbereitschaft hat, kann unterirdische Zisternen oder IBC-Container nutzen, die mehrere tausend Liter fassen. Ein Überlaufschutz verhindert, dass bei Starkregen das Wasser unkontrolliert abfließt. Und ein einfacher Filter am Zulauf hält Laub und Schmutz fern. Regenwasser ist nicht nur kostenlos, es ist für die meisten Pflanzen auch besser als Leitungswasser, weil es weicher ist, weniger Kalk enthält und Zimmertemperatur hat. Kaltes Leitungswasser direkt aus der Leitung kann empfindliche Pflanzen regelrecht schocken.
Richtig gießen – weniger oft, dafür gründlich
Der häufigste Fehler beim Gießen: jeden Tag ein bisschen. Das hält die Oberfläche feucht, aber die Wurzeln bleiben flach, weil sie keinen Grund haben, in die Tiefe zu wachsen. Sobald Sie einen Tag nicht gießen, welken die Pflanzen, weil ihr Wurzelsystem die oberen zwei Zentimeter Erde nicht verlassen hat. Besser ist es, seltener zu gießen, dafür aber durchdringend. Lassen Sie das Wasser langsam und tief in den Boden sickern, damit die Wurzeln ihm nach unten folgen und ein tiefes, robustes Wurzelsystem aufbauen.
Die beste Tageszeit zum Gießen ist der frühe Morgen, idealerweise vor sieben Uhr. Die Erde ist noch kühl von der Nacht, das Wasser versickert in Ruhe und die Pflanzen können sich mit Feuchtigkeit versorgen, bevor die Mittagshitze einsetzt. Abends zu gießen funktioniert auch, birgt aber das Risiko, dass die Feuchtigkeit über Nacht auf den Blättern stehen bleibt und Pilzkrankheiten fördert. Mittags in der prallen Sonne zu gießen ist die schlechteste Wahl: Ein Großteil des Wassers verdunstet, bevor es die Wurzeln erreicht.
Gießen Sie immer direkt an den Wurzelbereich, nicht über die Blätter. Ein Gießstab mit Aufsatz oder eine Gießkanne mit abnehmbarer Brause lenkt das Wasser dorthin, wo es gebraucht wird. Rasensprenger sehen idyllisch aus, sind aber die verschwenderischste Art der Bewässerung, weil sie große Mengen Wasser gleichmäßig verteilen, auch dort, wo es niemand braucht.
Mulchen – die beste Wassersparmaßnahme überhaupt
Eine Mulchschicht auf dem Beet ist wie eine Isolierung auf Ihrem Hausdach: Sie verhindert, dass Wertvolles verloren geht. Nackter Boden in der Sommersonne verliert durch Verdunstung enorme Mengen Wasser. Eine drei bis fünf Zentimeter dicke Schicht aus Grasschnitt, Stroh, gehäckseltem Laub oder Rindenkompost reduziert die Verdunstung um bis zu 70 Prozent. Das bedeutet: Sie müssen deutlich seltener gießen, und der Boden bleibt auch an heißen Tagen länger feucht.
Mulch unterdrückt gleichzeitig Unkraut, das Ihren Pflanzen Wasser und Nährstoffe streitig macht. Er reguliert die Bodentemperatur, hält die Erde im Sommer kühler und im Frühjahr wärmer. Und beim langsamen Zersetzen füttert er die Bodenlebewesen, die den Boden locker und fruchtbar halten. Mulchen ist die Maßnahme mit dem besten Aufwand-Nutzen-Verhältnis im gesamten Garten. Es kostet nichts, dauert eine halbe Stunde und wirkt die ganze Saison.
Tropfbewässerung – Wasser genau dorthin, wo es gebraucht wird
Ein Perlschlauch gibt Wasser langsam und direkt an den Wurzelbereich ab. Kein Tropfen verdunstet in der Luft, kein Blatt wird nass – der Wasserverbrauch sinkt um bis zu 70 Prozent gegenüber dem klassischen Gießen.
Für Gemüsebeete, Hochbeete und Reihen von Sträuchern ist eine Tropfbewässerung die effizienteste Lösung. Perlschläuche oder Tropfleitungen werden entlang der Pflanzenreihen auf den Boden gelegt und geben das Wasser langsam und gleichmäßig direkt an den Wurzelbereich ab. Kein Tropfen verdunstet in der Luft, kein Blatt wird nass. Der Wasserverbrauch sinkt im Vergleich zum klassischen Gießen oder Beregnen um 50 bis 70 Prozent.
Ein einfaches Tropfbewässerungssystem für ein Gemüsebeet kostet zwischen 20 und 40 Euro und lässt sich in einer Stunde installieren. Schließen Sie es an die Regentonne an und ergänzen Sie eine einfache Zeitschaltuhr, dann bewässert sich Ihr Garten morgens von allein, auch wenn Sie im Urlaub sind. Wer einmal mit einer Tropfbewässerung gegärtnert hat, möchte nie wieder zurück zur Gießkanne.
Trockenheitsverträgliche Pflanzen wählen
Diese Pflanzen brauchen nach dem Einwachsen kaum zusätzliches Wasser. Lavendel, Ziergräser und Fetthenne sind an Hitze und Trockenheit gewöhnt – die nachhaltigste Bewässerungsstrategie ist die, die Sie gar nicht erst brauchen.
Die nachhaltigste Bewässerungsstrategie ist die, die Sie gar nicht erst brauchen. Viele Pflanzen kommen mit erstaunlich wenig Wasser aus, wenn sie am richtigen Standort stehen. Mediterrane Kräuter wie Lavendel, Rosmarin, Thymian und Salbei sind an heiße, trockene Sommer gewöhnt und brauchen nach dem Einwachsen kaum zusätzliches Wasser. Ziergräser wie Lampenputzergras und Federgras überstehen Trockenperioden mühelos. Und Stauden wie Fetthenne, Mauerpfeffer, Katzenminze und Sonnenhut blühen auch bei Hitze zuverlässig.
Bei Gemüse gibt es ebenfalls Sorten, die mit weniger Wasser auskommen. Tomaten, die seltener, aber tief gegossen werden, bilden stärkere Wurzeln und schmecken aromatischer. Kartoffeln brauchen vor allem in der Blütephase Wasser, können aber in der restlichen Zeit mit natürlichem Niederschlag auskommen. Und Bohnen, Erbsen und Linsen verbessern als Leguminosen den Boden und kommen mit erstaunlich wenig Feuchtigkeit zurecht.
Boden als Wasserspeicher
Ein gesunder, humusreicher Boden speichert Wasser wie ein Schwamm. Ein Prozent mehr Humus im Boden erhöht die Wasserspeicherfähigkeit um etwa 16 Liter pro Quadratmeter. Das klingt nach wenig, summiert sich aber auf der Fläche eines gesamten Gartens zu hunderten Litern, die bei Trockenheit den Unterschied zwischen welken und wachsenden Pflanzen ausmachen können.
Bauen Sie den Humusgehalt Ihres Bodens langfristig auf, indem Sie regelmäßig Kompost einarbeiten, mulchen und auf chemische Dünger verzichten, die das Bodenleben schädigen. Vermeiden Sie es, den Boden unnötig zu verdichten, etwa durch schwere Maschinen oder durch Betreten nasser Beete. Ein lockerer, lebendiger Boden nimmt Regenwasser auf wie ein Schwamm und gibt es langsam an die Pflanzen ab. Ein verdichteter Boden lässt das Wasser an der Oberfläche abfließen, ungenutzt und verschwendet.
Jeder Tropfen zählt
Wasser sparen im Garten ist keine Einschränkung und kein Verzicht. Es ist ein Umdenken, das sich dreifach auszahlt: Sie sparen Geld, Sie schützen eine kostbare Ressource und Ihre Pflanzen werden langfristig gesünder und widerstandsfähiger. Ein Garten, der klug bewässert wird, sieht nicht schlechter aus als einer, der täglich geflutet wird. Er sieht besser aus, weil die Pflanzen darin gelernt haben, mit dem auszukommen, was die Natur ihnen gibt. Und genau das ist der Kern nachhaltigen Gärtnerns: mit der Natur arbeiten, nicht gegen sie.
Wasser sparen im Garten: Regenwasser sammeln, richtig gießen statt täglich verschwenden, Mulch nutzen und Tropfbewässerung installieren. So reduzieren Sie den Wasserverbrauch um bis zu 70 % – ohne dass Ihre Pflanzen leiden.[/et_pb_text]








