Krisen, Konflikte, Krankheiten: Menschen reagieren unterschiedlich auf mentale wie physische Herausforderungen. Das ist am Arbeitsplatz nicht anders. Während die einen sich etwa im Angesicht des unübersichtlichen Großprojekts eher überfordert, gestresst und verunsichert fühlen, gehen andere die Aufgabe mit kühlem Kopf, Freude an der Herausforderung und geradezu beflügelt an. Auch ansonsten gewinnen Kollegen und Kolleginnen leicht den Eindruck: „Die haut nichts um.“ Fachleute erklären diese Widerstandsfähigkeit gegen die Widrigkeiten des Lebens und Berufslebens mit dem Begriff „Resilienz“. (Advertorial)

Die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu durchdenken und kreative, aber realistische Lösungen zu entwickeln, ist ein großer Vorteil für resiliente Mitarbeitende.
Die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu durchdenken und kreative, aber realistische Lösungen zu entwickeln, ist ein großer Vorteil für resiliente Mitarbeitende.

Ursprünglich stammt der Begriff „Resilienz“ aus der Materialkunde. Er bezeichnet Werkstoffe, die auch nach extremer Spannung wieder in ihren Ursprungs­zustand zurück­kehren. Sie verformen sich zwar unter Druck, lassen sich jedoch nicht nachhaltig beschädigen. Letzteres zeichnet auch Menschen mit ausgeprägter Resilienzfähigkeit aus. Sie können mit belastenden Situationen erfolgreich umgehen und meistern diese, ohne sich dauerhaft unterkriegen zu lassen oder psychisch Schaden zu nehmen. Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt: Anders als bei unbelebten Materialien nehmen resiliente Menschen durchlebte Krisen und Umbrüche zum Anlass, sich weiterzuentwickeln und mental zu wachsen. Kein Wunder also, dass diese besondere Widerstandskraft auch als „Immunsystem der Seele“ bezeichnet wird.

Resilienzfähigkeit: im Beruf immer wichtiger

Wer als Arbeitnehmer Veränderungen aktiv und zukunftsorientiert begegnen möchte, muss dafür auch Raum bekommen und die Erfahrung machen, tatsächlich etwas bewegen zu können.
Wer als Arbeitnehmer Veränderungen aktiv und zukunftsorientiert begegnen möchte, muss dafür auch Raum bekommen und die Erfahrung machen, tatsächlich etwas bewegen zu können.

Vor allem im Berufsleben wird Resilienz immer wichtiger. Petra Timm, Pressesprecherin von Randstad Deutschland, kennt die Herausforderungen: „Der Arbeitsalltag der meisten Menschen ist eng getaktet, erfordert viel Flexibilität und bringt ungewohnte und neue Situationen mit sich, auf die Arbeitnehmer schnell reagieren müssen. Arbeitsabläufe werden schneller und komplexer, Umstrukturierungen führen dazu, dass innerhalb des Unternehmens häufiger das Team gewechselt werden muss oder gleich ein ganz neuer Job zu bewältigen ist.“

VUCA-Welt als Stressfaktor

Die meisten Faktoren der Arbeitswelt können Mitarbeiter nicht selbst beeinflussen. Statt als selbstwirksam erleben sie sich häufig als fremdbestimmt. Im schlechtesten Fall sehen sie ihr berufliches Umfeld als unberechenbar und unklar, ihre berufliche Zukunft als unsicher, die Aufgaben als hochkomplex an. Das erhöht den gefühlten Druck. Wissenschaftler nutzen für schwierige Rahmenbedingungen der Arbeitswelt den Begriff VUCA-Welt.
Das Akronym steht für:

  • volatile (unberechenbar/ flüchtig)
  • uncertain (unsicher/ ungewiss)
  • complex (komplex, vielschichtig)
  • ambiguous (mehrdeutig, unklar, widersprüchlich)
Viele Unternehmen haben längst erkannt, wie zentral Resilienz in der modernen Arbeitswelt ist und versuchen, besonders resiliente Mitarbeiter zu finden.
Viele Unternehmen haben längst erkannt, wie zentral Resilienz in der modernen Arbeitswelt ist und versuchen, besonders resiliente Mitarbeiter zu finden.

Die Arbeitswelt aus der Perspektive der VUCA-Welt zu betrachten, führt bei Menschen mit geringer Resilienzfähigkeit auf Dauer zu Stress und psychischer Belastung. Wer hingegen resilient ist oder seine Resilienz fördert, der begegnet diesen Rahmenbedingungen gelassener und schafft es, erfolgreich seine Arbeit zu bewältigen. Petra Timm, Pressesprecherin von Randstad Deutschland, rät: „Je genauer Sie wissen, wie viel Belastung im Job Sie gut verkraften, desto besser für Ihre Resilienz! Achten Sie auf eine gesunde Work-Life-Balance und trauen Sie sich zu, auch einmal „Nein“ zu sagen.“

Schöne neue Arbeitswelt? – New Work und Resilienz

Resilienzförderung gewinnt auch im Zusammenhang mit den Umbruchprozessen der Arbeitswelt unter dem Stichwort New Work zunehmend an Bedeutung. Digitalisierung von Arbeitsplätzen und Arbeitsprozessen, dezentrales Arbeiten, mehr Selbstorganisation und mehr Eigenverantwortung ermöglichen selbstbestimmteres und flexibleres Arbeiten. Dennoch erfordert New Work auch ein gehöriges Maß an Anpassungsfähigkeit seitens der Arbeitnehmer.

Moderne Technologien einzusetzen verändert häufig auch die Inhalte der beruflichen Tätigkeiten. Zudem braucht es neue Kompetenzen, etwa um die Arbeit in der Cloud zu organisieren, die täglichen Abstimmungen über die einzelnen Chats auf Teams zu koordinieren und die Zeitplanung für das Projekt auf der kollaborativen Plattform aktuell zu halten. Und mitunter sprengt das eigentlich als Entlastung gedachte Homeoffice dann doch die Work-Life-Balance. Bleibt keine Zeit für eine schrittweise Entwicklung der New Work-Strukturen oder fordern die neuen Arbeitsprozesse zu große Anpassungsanstrengungen, kann es zur Überforderung kommen.

Resilienz im Beruf – sieben Säulen und radikale Akzeptanz

Um Resilienz zu fördern, muss man wissen, worauf sie basiert. Psychologen identifizieren sieben Eigenschaften, die Menschen für eine starke Widerstandsfähigkeit gegen Stress haben – auch im Beruf.


  1. Selbstbewusstsein: Resiliente Menschen kennen ihre Stärken und Schwächen. In schwierigen Situationen suchen sie nach Lösungen, statt sich als Opfer zu fühlen.
  2. Aufgeschlossenheit: Resiliente Menschen bewältigen Probleme gemeinsam.
  3. Emotionale Stabilität: Krisen und herausfordernde Ereignisse führen nicht sofort zu Zweifeln und Ängsten.
  4. Optimismus: Krisen werden akzeptiert – mit der Sicherheit, dass sie überwunden werden können.
  5. Kontrolle über die Situation und das eigene Handeln: Resiliente Menschen handeln überlegt und nicht impulsiv.
  6. Realistische Ziele: Langfristig planen und realistisch denken ermöglicht erreichbare Ziele.
  7. Analysestärke: Wer ungünstige Verhaltensmuster bei sich erkennt, kann sich davon lösen und Probleme lösungsorientiert betrachten.

Teamwork fördert die Resilienz. Durch gemeinsame Problembeseitigung werden stressige Situationen einfacher bewältigen.
Teamwork fördert die Resilienz. Durch gemeinsame Problembeseitigung werden stressige Situationen einfacher bewältigen.

Grundsätzlich wichtig für emotionale Widerstandskraft ist die Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Sie bildet ein wichtiges Fundament der Faktoren, die Menschen zur Resilienz befähigen. Auch in Lebenskrisen und bei Herausforderungen am Arbeitsplatz vertrauen diese Menschen darauf, dass sie und ihr Tun Wirkung entfalten und sie bestimmte Rahmenbedingungen gestalten können – und sei es dadurch, dass sie einige Handlungen einfach unterlassen. Zudem können sie realistisch einschätzen, in welchen Bereichen sie nicht selbstwirksam werden können. Eine Voraussetzung für Selbstwirksamkeit ist das Konzept der radikalen Akzeptanz. Damit ist gemeint, nicht gegen große Unabänderlichkeiten aufzubegehren und sich nicht an kleinen Unabänderlichkeiten abzuarbeiten.

Petra Timm, Pressesprecherin von Randstad Deutschland, erläutert: „Für den Umgang mit Stress und Belastungen am Arbeitsplatz kann das etwa heißen: Sie akzeptieren, dass eine Situation gerade schwierig und anstrengend ist, verwenden jedoch keine Energie darauf, dagegen anzukämpfen. Das schafft den Freiraum, sich auf Dinge zu fokussieren, die Sie momentan beeinflussen können – und sich so wieder als selbstwirksam zu erleben.

Resilienzfähigkeit trainieren

Wie sehr die Widerstandskraft gegen Stress und Krisen ausgeprägt ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Teilweise liegt sie in den Genen. Dem Neurowissenschaftler Raffael Kalisch zufolge, Mitbegründer des Deutschen Resilienz-Zentrums in Mainz, zufolge fördern vor allem drei erbliche Faktoren die Resilienz:

  • Optimismus stärkt das Vertrauen, dass sich letzten Endes alles zum Guten fügt.
  • Extraversion erleichtert es, aktiv soziale Bindungen zu knüpfen.
  • Intelligenz hilft dabei, kreative Wege zu finden – auch aus Krisen.

Wie stabil das psychische Immunsystem letztlich ist, hängt jedoch von einem komplexen Zusammenspiel vieler Faktoren ab. Darum sind viele Fachleute überzeugt: Die eigene Widerstandskraft lässt sich auch noch im Erwachsenenalter trainieren und erfolgreich weiterentwickeln.

Für Resilienz im Beruf heißt Akzeptanz das Zauberwort und bedeutet: tief durchatmen und Veränderung als Teil des Lebens begreifen, statt dagegen zu rebellieren und dem Vertrauten nachzutrauern.
Für Resilienz im Beruf heißt Akzeptanz das Zauberwort und bedeutet: tief durchatmen und Veränderung als Teil des Lebens begreifen, statt dagegen zu rebellieren und dem Vertrauten nachzutrauern.

Tipps zur Resilienzförderung – 7 Faktoren für mehr Widerstandskraft

Die folgende Checkliste basiert auf wesentlichen Faktoren, die Sie teilweise schon weiter oben kennengelernt haben. Prüfen Sie, an welcher Stelle Sie Ihre Resilienz noch verbessern können. Sie möchten wissen, wie stark Ihre Resilienzfähigkeit insgesamt ausgeprägt ist? Dann machen Sie unseren Resilienz-Test – einfach ganz nach unten scrollen!

Wer über diese Faktoren verfügt, wird auch unbeschadet aus schwierigen Situationen kommen.
Wer über diese Faktoren verfügt, wird auch unbeschadet aus schwierigen Situationen kommen.

Ihre Resilienz Praxistipps

1. Akzeptanz: Resiliente Menschen wissen, was sie beeinflussen können – und was nicht. Diese Akzeptanz macht sie widerstandsfähiger, auch gegenüber einschneidenden Entwicklungen. 

Praxistipp: Wenn Sie sich mit großen Veränderungen schwertun, üben Sie sich zunächst im Kleinen. Machen Sie zum Beispiel im Alltag kleine Dinge anders.

2. Optimismus: Optimisten gehen davon aus, dass sie auch belastende Situationen gut überstehen werden. Dieses Vertrauen ist wichtig, um Krisen zu meistern.

Praxistipp: Eine eher sorgenvolle Einstellung ändern Sie nicht über Nacht. Das müssen Sie auch nicht. Sie können aber ausprobieren, den nächsten Stress-Termin ganz bewusst mit einer „Das klappt bestimmt“-Haltung wahrzunehmen.

3. Positive Emotionen: Positive Emotionen sind Kraftquellen. Wer ihnen mehr Raum gibt, stärkt die eigene Zuversicht und Ausdauer. 

Praxistipp: Weniger ärgern, mehr freuen – Sie finden garantiert jeden Tag Dinge, Begegnungen oder Situationen, die Sie erfreuen, erheitern, stolz auf sich machen, …

4. Selbstwirksamkeitserfahrung: Menschen mit gut ausgeprägter Resilienz im Beruf trauen sich zu, Situationen und Aufgaben aus eigener Kraft zu meistern. Sie besitzen ein starkes Bewusstsein der eigenen Möglichkeiten, ihre Arbeit zu gestalten.

Praxistipp: Denken Sie ganz gezielt an Situationen, in denen Sie klar gemerkt haben: Ich kann was bewirken! Überlegen Sie dann, was Sie tun können, um Ihr nächstes Arbeitsziel zu erreichen – und tun Sie es dann.

5. Kontrollüberzeugung: Psychologen verstehen unter Kontrollüberzeugung den Glauben eines Menschen daran, sein Leben selbst gestalten zu können. Für die Resilienz im Beruf bedeutet das: Resiliente Menschen führen eingetretene Ereignisse hauptsächlich auf ihre Handlungen zurück, nicht auf Zufall oder Schicksal.

Praxistipp: Machen Sie sich bewusst, in welchen Bereichen Sie erfolgreich sind und nutzen Sie die positiven Erfahrungen gezielt dafür, Ihre Handlungsspielräume zu erweitern.

6. Positive Selbstwahrnehmung: Resiliente Menschen schätzen sich selbst wert. Sie sind sich ihrer Stärken bewusst und nutzen sie.

Praxistipp: Loben Sie sich ganz gezielt jeden Tag für etwas, das Sie gut gemeistert haben.

7. Soziales Netzwerk: Never walk alone – Menschen mit ausgeprägter Resilienz verfügen über verlässliche Bezugspersonen und emotionale Bindungen. Sie stärken das seelische Immunsystem.

Praxistipp: Pflegen Sie Ihre Kontakte und Beziehungen – im Job wie im Alltag. Bestimmt finden sich auch in Ihrem beruflichen Umfeld Gleichgesinnte, mit denen Sie sich vernetzen und sich gegenseitig den Rücken stärken können. 


Ich glaube, dass ich mein Schicksal selbst in der Hand habe.

 


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