Sie sitzen am Fenster, und es zieht kühl am Nacken, obwohl alles geschlossen ist. Über den Sommer fällt das kaum auf, doch sobald die Heizung läuft, wird aus der leichten Zugluft bares Geld, das durch die Ritzen entweicht. Ein Haus winterfest zu machen heißt vor allem, es dicht und trocken zu bekommen. Am besten arbeiten Sie sich der Reihe nach vor: erst Fenster und Türen abdichten, dann die unsichtbaren Wärmebrücken aufspüren, die Feuchte im Keller in den Griff bekommen und zuletzt Holz und Metall am Haus vor Nässe und Frost schützen. Der Spätsommer ist dafür der richtige Zeitpunkt, in Ruhe und bei angenehmen Temperaturen.

Undichte Stellen aufspüren

Bevor Sie zum Dichtungsband greifen, sollten Sie wissen, wo es zieht. Zwei einfache Tests genügen. Beim Kerzentest führen Sie eine brennende Kerze langsam am Rahmen entlang. Flackert die Flamme, dringt an dieser Stelle Luft ein. Alternativ klemmen Sie ein Blatt Papier zwischen Rahmen und Flügel und schließen das Fenster. Lässt sich das Blatt herausziehen, fehlt es an Anpressdruck.

Brennende Kerze am Fensterrahmen, deren Flamme durch Zugluft zur Seite geneigt ist.

Der Test funktioniert am besten bei geschlossenem Fenster und ruhiger Raumluft. Halten Sie die Kerze mit etwas Abstand zum Rahmen, damit nichts anbrennt.

Gehen Sie systematisch vor und prüfen Sie jedes Fenster einzeln, dazu die Haus-, Terrassen- und Kellertüren. An Türen verrät sich Zugluft oft durch ein leises Pfeifen. Wer die undichten Stellen kennt, arbeitet später gezielt und spart sich unnötiges Material.

Fenster und Türen abdichten

Welches Material passt, hängt vor allem von der Spaltbreite ab. Selbstklebende Schaumstoff-Dichtungen sind günstig und passen sich Spalten von etwa 3 bis 3,5 Millimeter an, halten aber nur zwei bis vier Jahre. Gummidichtungen mit E- oder P-Profil eignen sich für Breiten von einem bis fünf Millimeter, sind witterungsbeständiger und halten bis zu acht Jahre. Einen Richtwert bekommen Sie, indem Sie probeweise ein Stück Knetgummi zwischen Rahmen und Flügel klemmen, oder Sie nehmen ein Stück der alten Dichtung als Muster mit in den Baumarkt.

Hände drücken ein Gummidichtungsband auf die gereinigte Kante eines Holzfensterrahmens.

Saubere Fläche, exakter Zuschnitt, fester Andruck. So hält das Dichtungsband und das Fenster schließt weiterhin einwandfrei.

Ein wichtiger Hinweis für Kunststofffenster: Kleben Sie niemals ein neues Band auf eine vorhandene, vorgefertigte Gummidichtung. Das drückt den Flügel aus der Spur und macht mehr kaputt als heil. Solche Fenster haben ihre Dichtung ab Werk. Beim Nachrüsten entfernen Sie zuerst alte, spröde Dichtungen vollständig und reinigen die Klebefläche gründlich mit Spiritus, denn auf Fett und Schmutz hält kein Band. Messen Sie exakt, drücken Sie jede Dichtung fest an und prüfen Sie nach jedem Stück, ob sich der Flügel noch problemlos schließen lässt.

Ein kleiner Kniff lohnt sich an der seitlichen Längskante des Flügels: Kleben Sie das Band nicht auf die Vorderkante, sondern im 90-Grad-Winkel dazu, damit das Fenster sauber schließt. Zum Schluss folgt die Erfolgskontrolle mit dem Kerzen- oder Blatttest an den abgedichteten Stellen. Bleibt die Flamme ruhig und hält das Papier, sitzt alles richtig, undichte Reste bessern Sie sofort nach.

An Türen zieht es meist unten durch den Spalt zum Boden. Ein Zugluftstopper aus Stoff hilft provisorisch, dauerhafter ist eine Bürstendichtung, die unter dem Türblatt angeschraubt wird und den Spalt abdeckt. Selbst gemacht kostet ein Raum voller Fenster nur wenige Euro Material. Wer einen Handwerker beauftragt, zahlt für das Nachdichten mit Band etwa 50 bis 100 Euro. Undichte Fenster und Türen können bis zu zwölf Prozent der Heizwärme entweichen lassen, weshalb sich der kleine Aufwand schnell bezahlt macht.

Wo die Wärme unsichtbar entweicht

Manche Wärmeverluste sehen Sie nicht, Sie spüren sie nur: an der Wand hinter dem Sofa, in der Ecke am Fenster, am Boden im Erdgeschoss. Dahinter steckt oft eine Wärmebrücke, also eine Stelle, an der Wärme schneller nach außen dringt als in der Fläche daneben. Sie treibt die Heizkosten und begünstigt Schimmel, weil die kühle Stelle Feuchtigkeit aus der Raumluft anzieht und dort Kondenswasser entsteht.

Energieberater richtet eine Wärmebildkamera auf eine Hausfassade, das Display zeigt ein farbiges Wärmebild.

Die Wärmebildkamera übersetzt Wärmestrahlung in Farben. Rot und Orange zeigen, wo die Außenhülle Energie verliert.

Wärmebrücken sitzen an vorhersehbaren Stellen: an den Anschlüssen rund um Fenster und Türen, an Rollladenkästen, ungedämmten Heizkörpernischen, am Übergang zwischen Wand und Dach und an auskragenden Balkonplatten. Auch eine ungedämmte Kellerdecke sorgt für kalte Böden im Erdgeschoss. Oft bestätigt schon der Alltag den Verdacht: Wo es sich kalt anfühlt oder wo sich in Ecken dunkle Ränder bilden, sitzt meist eine Schwachstelle.

Sichtbar machen lässt sie sich mit einer Thermografie. Eine Wärmebildkamera misst die Oberflächentemperatur und übersetzt sie in ein Farbbild, in dem warme, Energie verlierende Bereiche rot leuchten. Das funktioniert nur bei ausreichendem Temperaturunterschied zwischen innen und außen, weshalb Herbst und Winter die richtige Zeit sind und ein zertifizierter Energieberater die Aufnahmen richtig einordnet. Er kann die Ergebnisse gleich in einen Sanierungsfahrplan überführen, wie ihn die Deutsche Energie-Agentur (dena) empfiehlt. Wer im Spätsommer bucht, sichert sich einen Termin in der Heizperiode. Wie Sie aus den Bildern die richtigen Dämmmaßnahmen ableiten, lesen Sie ausführlich auf ratschlag-energiesparen.

Feuchtigkeit im Keller früh erkennen

Der Keller ist der Teil des Hauses, den Sie am seltensten betreten und am ehesten vergessen. Dabei entscheidet sich hier unten, wie gesund das ganze Gebäude bleibt. Dunkle Flecken an den Wänden, abplatzender Putz, weiße Salzausblühungen und ein dauerhaft muffiger Geruch gehören zu den häufigsten Warnzeichen. Oft beginnt es im unteren Wandbereich oder am Übergang zwischen Wand und Boden.

Kellerwand mit dunklen Feuchteflecken und weißen Salzausblühungen am Wand-Boden-Anschluss.

Dunkle Flecken, Ausblühungen und muffiger Geruch sind die typischen Warnzeichen. Der Wand-Boden-Anschluss ist besonders anfällig.

Nicht jede feuchte Wand bedeutet dasselbe. Manchmal steigt Bodenfeuchte über die Kapillaren im Mauerwerk auf, manchmal drückt seitlich Wasser durch die Kellerwand, und manchmal ist es schlicht Kondenswasser, das entsteht, wenn warme Sommerluft auf die kalte Wand trifft. Jede Ursache verlangt eine andere Lösung, deshalb steht am Anfang die richtige Diagnose. Ein einfacher Selbsttest hilft: Ist die Wand nur an der Oberfläche nass, die Schichten darunter aber trocken, spricht viel für Kondenswasser. Bei tiefer sitzender Nässe liegt fast immer ein Abdichtungsproblem vor.

Der teuerste Fehler ist, einfach loszulegen. Wer eine feuchte Wand nur innen mit Sanierputz überzieht, ohne die Ursache zu kennen, verschiebt das Problem. Deshalb lohnt sich ein Bausachverständiger, der die Feuchtemuster prüft und die Bausubstanz misst, eine erste Einschätzung gibt es oft schon für rund 200 Euro.

Kondenswasser und echte Abdichtung

Die gute Nachricht zuerst: Der häufigste Fall im Sommer ist der harmloseste. Strömt warme, feuchte Außenluft in den kühlen Keller, kondensiert sie an den kalten Wänden, ähnlich wie an einer Getränkeflasche. Das ist kein Bauschaden, sondern ein Lüftungsthema. Lüften Sie den Keller nicht an schwülen Sommertagen, sondern in den kühlen Morgen- oder Abendstunden, wenn die Außenluft weniger Feuchtigkeit trägt. Ein Hygrometer hilft, den richtigen Moment zu erwischen, und ein Entfeuchter schafft bei Bedarf zusätzlich Abhilfe.

Steckt dagegen echtes eindringendes oder aufsteigendes Wasser dahinter, führt kein Weg an einer Abdichtung vorbei. Die technisch beste Lösung ist die Außenabdichtung, bei der das Erdreich freigelegt und die Wand mehrlagig beschichtet wird. Sie hält oft über dreißig Jahre, kostet wegen der Erdarbeiten aber etwa 400 bis 600 Euro pro Quadratmeter. Wo das Freilegen nicht möglich ist, kommt die günstigere Innenabdichtung infrage. Wichtig: Eine Abdichtung stoppt nur künftiges Wasser, die vorhandene Feuchte muss anschließend mit Bautrocknern aus dem Mauerwerk geholt werden.

Auch direkt über dem Boden lauert Nässe. Der Sockel zwischen Erdreich und Fassade ist ständig Spritzwasser ausgesetzt und bildet die erste Verteidigungslinie des Fundaments. Prüfen Sie, ob der Sockelputz Risse zeigt oder sich löst, und halten Sie die Fuge zum angrenzenden Pflaster sauber und dicht, damit dort kein Wasser einläuft.

Holz und Metall wetterfest machen

Die charmanten Details geben einem Haus seinen Charakter: die Klappläden am Fenster, das Vordach über der Tür, das schmiedeeiserne Geländer. Genau diese Teile stehen das ganze Jahr ungeschützt im Wetter, und der Spätsommer ist ideal, um sie aufzuarbeiten, weil Lasuren und Lacke trockene Bedingungen und Temperaturen über zehn Grad zum Aushärten brauchen. Feuchtigkeit, die jetzt in kleinste Risse dringt und im Winter gefriert, sprengt sonst Lack und Lasur ab.

Bei Holz steht die Bestandsaufnahme am Anfang. Gehen Sie Klappläden, Vordächer und Verkleidungen ab und drücken Sie mit dem Daumen gegen verdächtige Partien. Gibt das Holz nach, hat sich Feuchtigkeit eingenistet, und möglicherweise hat Fäulnis begonnen, besonders an Kanten und unteren Enden, an denen Wasser stehen bleibt. Schleifen Sie lose Lasur und graue Fasern ab, bis Sie auf tragfähiges Holz kommen, grundieren Sie und tragen Sie die Lasur in zwei dünnen Schichten in Faserrichtung auf. Zwei dünne Aufträge halten länger als ein dicker, weil sie besser durchtrocknen und nicht reißen.

Bei Geländern, Zäunen und Vordachstützen ist Rost der Hauptfeind, und er breitet sich unter der Farbe aus, sodass die Fläche oft besser aussieht, als sie ist. Bürsten Sie losen Rost und abblätternde Farbe bis auf festen Untergrund ab, tragen Sie eine Rostschutzgrundierung auf und darüber einen wetterfesten Metalllack in zwei Schichten. Achten Sie besonders auf Fußpunkte und Winkel, an denen Wasser stehen bleibt. Prüfen Sie zuletzt bei Vordächern den Anschluss zur Wand: Löst sich hier das Blech, läuft Wasser unbemerkt hinter die Verkleidung.

Genug Frischluft und sicher arbeiten

Ein dichtes Haus ist gut, ein luftdicht abgeriegeltes nicht. Ein gewisser Luftaustausch bleibt wichtig, damit Feuchtigkeit abziehen kann und sich kein Schimmel bildet. Besonders in Räumen mit Kaminöfen brauchen Sie ausreichend Frischluft, weil die Feuerstelle Sauerstoff aus dem Raum zieht. Setzen Sie deshalb auf Stoßlüften statt auf gekippte Fenster: mehrmals täglich für ein paar Minuten weit öffnen, dann ist die Luft komplett getauscht, ohne dass die Wände auskühlen. Abgedichtete Fenster und bewusstes Lüften ergänzen sich.

Vieles der beschriebenen Arbeiten erledigen Sie mit Dichtungsband, Pinsel und etwas Geduld selbst. Für Arbeiten in der Höhe, am Giebel oder am Vordach, brauchen Sie eine sichere Leiter oder ein kleines Gerüst, im Zweifel den Fachbetrieb. Wenn ohnehin ein Gerüst steht, lohnt es sich, mehrere Aufgaben zu bündeln. Ein paar Wochenenden mit Werkzeug reichen, und wenn im Winter die Läden fest sitzen, die Fenster dicht schließen und der Keller trocken bleibt, wissen Sie, dass sich die Mühe gelohnt hat.

Fotos: Textnetz, Generiert mit KI