Sonntagabend, das Kind hat Fieber, und im Schuhkarton unter dem Waschbecken liegen ein zerdrücktes Pflaster, ein Fieberthermometer ohne Batterie und eine Salbe, die vor drei Jahren abgelaufen ist. Genau in solchen Momenten zeigt sich, ob eine Hausapotheke diesen Namen verdient. Der Inhalt einer Hausapotheke ist keine große Sache, aber er will einmal zusammengestellt und danach zweimal im Jahr angeschaut werden.
Der Inhalt einer Hausapotheke richtet sich nach dem Haushalt
Es gibt keine Standardliste, die für alle passt. Ein Haushalt mit kleinen Kindern braucht anderes als ein Paar im Ruhestand, und wer regelmäßig Sport treibt, hat andere Verbrauchsartikel als jemand, der viel unterwegs ist.
Gehen Sie deshalb erst einmal durch, wer bei Ihnen lebt. Kinder brauchen kindgerechte Darreichungsformen und andere Mengen, für sie sind Erwachsenenpräparate nicht einfach geteilt geeignet. Ältere Menschen nehmen häufig dauerhaft Medikamente ein, und die brauchen einen eigenen, klar getrennten Platz.
Sprechen Sie die Zusammenstellung einmal mit Ihrer Apotheke durch. Das kostet nichts, dauert zehn Minuten und führt zu einer Liste, die zu Ihnen passt statt zu einem Ratgeber im Internet. Fragen Sie dabei gezielt nach Wechselwirkungen mit dem, was ohnehin eingenommen wird.
Verbandmaterial und Hilfsmittel bilden die Grundlage
Der unstrittige Teil sind die Dinge, die keine Wirkstoffe enthalten und trotzdem den größten Alltagsnutzen haben.
Auch Kompressen und Binden in der Hausapotheke haben ein Verfallsdatum, ab dem die Sterilität nicht mehr garantiert ist. Sie gehören deshalb in dieselbe jährliche Kontrolle wie Tabletten.
Dazu gehören Pflaster in verschiedenen Größen, sterile Kompressen, Mullbinden, elastische Binden, ein Verbandpäckchen, Heftpflaster, eine Verbandschere mit abgerundeter Spitze, eine Pinzette und Einmalhandschuhe. Ein Dreiecktuch und eine Rettungsdecke ergänzen den Kasten sinnvoll.
An Hilfsmitteln brauchen Sie ein funktionierendes Fieberthermometer, idealerweise mit Ersatzbatterie, eine Kühlkompresse für den Gefrierschrank, Desinfektionsmittel für Hände und für Wunden sowie eine Zeckenzange oder Zeckenkarte.
Auch Verbandmaterial hat ein Verfallsdatum, ab dem die Sterilität nicht mehr garantiert ist. Kompressen und Binden gehören deshalb genauso in die jährliche Kontrolle wie Tabletten.
Legen Sie außerdem eine ausgedruckte Erste-Hilfe-Anleitung dazu und eine Liste mit Notfallnummern: 112 für den Rettungsdienst, 116117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst, dazu die Nummer des zuständigen Giftinformationszentrums und die Ihrer Hausarztpraxis.
Bei Arzneimitteln entscheidet die Apotheke mit
Für die klassischen kleinen Beschwerden hält man üblicherweise etwas vorrätig: gegen Schmerzen und Fieber, gegen Erkältungsbeschwerden, gegen Durchfall, gegen Übelkeit, gegen Sodbrennen und für die Wundversorgung.
Welche Präparate das konkret sein sollten und in welcher Dosierung, ist keine Frage, die ein Ratgeber beantworten kann. Sie hängt vom Alter, von Vorerkrankungen und von anderen Medikamenten ab. Lassen Sie sich das in der Apotheke zusammenstellen und notieren Sie sich, wofür welche Packung gedacht ist.
Verschreibungspflichtige Medikamente aus abgeschlossenen Behandlungen haben in der allgemeinen Hausapotheke nichts verloren. Sie erzeugen Verwechslungsgefahr, und angebrochene Antibiotika später auf eigene Faust weiterzuverwenden ist ein ernstes Risiko. Nach Behandlungsende gehören sie entsorgt.
Dauermedikamente lagern Sie getrennt und gut sichtbar. Wenn mehrere Personen im Haushalt Medikamente nehmen, hilft eine deutliche Beschriftung mit dem Namen direkt auf der Packung, gerade bei ähnlich aussehenden Schachteln.
Und noch ein Grundsatz: Selbstmedikation hat Grenzen. Bei hohem Fieber, starken oder anhaltenden Schmerzen, Atemnot, Bewusstseinstrübung, bei Beschwerden von Säuglingen und Kleinkindern und immer dann, wenn sich etwas nach wenigen Tagen nicht bessert, gehört ärztlicher Rat dazu und keine weitere Tablette aus dem Schrank.
Der Lagerort ist wichtiger, als die meisten denken
Die verbreitetsten Aufbewahrungsorte sind gleichzeitig die schlechtesten. Im Badezimmer schwankt die Luftfeuchtigkeit stark, in der Küche kommt Hitze dazu. Beides schadet Wirkstoffen, Tabletten können zerbröseln, Zäpfchen weich werden.
Bad und Küche sind wegen Feuchtigkeit und Hitze die schlechtesten Orte. Ein kühler, dunkler Schrank im Flur oder Schlafzimmer ist besser, und abschließbar, sobald Kinder im Haus sind.
Besser geeignet sind kühle, trockene und dunkle Orte: ein Schrank im Schlafzimmer, im Flur oder in einem wenig genutzten Zimmer. Raumtemperatur ist in Ordnung, direkte Sonne nicht.
Wichtig ist der Schutz vor Kindern. Ein abschließbarer Schrank oder zumindest ein hoch angebrachtes Fach ist Pflicht, sobald Kinder im Haushalt leben oder regelmäßig zu Besuch kommen. Kindersichere Verschlüsse ersetzen das nicht.
Lassen Sie alles in der Originalverpackung, samt Beipackzettel. Der Karton schützt vor Licht, und der Zettel enthält die Angaben zur Anwendung sowie oft Hinweise zur Entsorgung. Blister aus der Schachtel zu nehmen und lose zu sammeln, ist der schnellste Weg zu einer Hausapotheke, in der niemand mehr weiß, was was ist.
Einzelne Präparate müssen kühl gelagert werden. Das steht auf der Packung, und diese Angabe gilt auch dann, wenn der Kühlschrank unpraktisch ist.
Verfallsdaten und Anbruchdaten sind zwei verschiedene Dinge
Auf jeder Packung steht ein Verwendbarkeitsdatum. Bis dahin garantiert der Hersteller Wirksamkeit und Sicherheit, allerdings nur bei ungeöffneter Originalverpackung und richtiger Lagerung.
Zwei Sekunden Aufwand ersparen später jedes Raten. Nach dem Anbruch gelten oft deutlich kürzere Fristen als das aufgedruckte Verwendbarkeitsdatum.
Nach dem Öffnen gelten deutlich kürzere Fristen. Augentropfen sind meist nur wenige Wochen nach Anbruch verwendbar, Säfte und Tropfen häufig ein halbes Jahr, Salben und Cremes etwa ein Jahr. Die genauen Angaben stehen im Beipackzettel.
Der einfachste Trick der ganzen Hausapotheke: Notieren Sie mit Kugelschreiber das Öffnungsdatum auf die Packung, sobald Sie etwas anbrechen. Zwei Sekunden Aufwand, und Sie müssen nie wieder raten.
Auf äußerliche Veränderungen achten lohnt ebenfalls. Verfärbungen, ungewöhnlicher Geruch, aufgeblähte Tuben, ausgeflockte oder trübe Flüssigkeiten sind Gründe, das Präparat auszusortieren, auch wenn das Datum noch stimmt.
Zweimal im Jahr durchgehen
Verankern Sie die Kontrolle an einem Datum, das Sie ohnehin wahrnehmen. Die Zeitumstellung im Frühjahr und im Herbst hat sich dafür bewährt, und der Herbsttermin passt gut in die Wochen vor der Erkältungssaison.
Der Ablauf ist schnell erledigt. Alles ausräumen, Verfallsdaten und Anbruchdaten prüfen, Abgelaufenes aussortieren, fehlende Positionen notieren und beim nächsten Apothekenbesuch nachkaufen. Dabei gleich das Fieberthermometer einschalten und die Batterie der Taschenlampe testen.
Wenn Sie ohnehin dabei sind, schauen Sie auch in den Verbandkasten im Auto. Der hat ebenfalls ein Haltbarkeitsdatum, und im Winter fällt es unangenehm auf, wenn es abgelaufen ist.
Entsorgung: nicht in Toilette oder Waschbecken
Ein Punkt, bei dem viel falsch gemacht wird. Arzneimittel gehören unter keinen Umständen in die Toilette oder ins Waschbecken. Wirkstoffe gelangen so ins Abwasser und lassen sich dort kaum wieder herausholen.
Wie die richtige Entsorgung aussieht, ist kommunal unterschiedlich geregelt. In vielen Gemeinden können Arzneimittel über den Restmüll entsorgt werden, weil dieser verbrannt wird. Andernorts gibt es Schadstoffsammelstellen oder Rücknahmen über Apotheken. Welche Regelung bei Ihnen gilt, können Sie auf der Seite arzneimittelentsorgung.de für Ihren Wohnort nachschlagen.
Bevor Sie etwas in den Restmüll geben, machen Sie die Packung unkenntlich oder entnehmen Sie die Blister, damit Tabletten nicht für Kinder oder Tiere zugänglich in der Tonne liegen.
Eine Stunde, die sich irgendwann auszahlt
Eine gut sortierte Hausapotheke ist keine Vorratshaltung für den Ernstfall, sondern ein Stück Alltagsruhe. Wer weiß, wo das Pflaster liegt, wo das Thermometer steckt und dass beides funktioniert, muss an einem Sonntagabend nicht erst suchen. Und die Stunde, in der Sie das einmal ordentlich anlegen, holen Sie beim ersten aufgeschürften Knie wieder herein.
Fotos: Textnetz, Generiert mit KI








