Whisky richtig genießen

Whisky steht für Tradition und Lebensgefühl, und stellt das kultivierte Gegenstück zur Schnapsrunde in der Kneipe dar. Der Geschmack der Whiskysorten ist geprägt durch die Herkunft und die traditionellen, regionalen Herstellungsverfahren. Whiskyliebhaber genießen den erlesenen Tropfen in aller Ruhe mit guten Freunden oder auch allein.

Genießer wissen einen guten Whisky zu schätzen.
Genießer wissen einen guten Whisky zu schätzen.

So trinken Kenner ihren Whisky

Ein gutes Glas Whisky richtig zu genießen ist eine Kunst – da sind sich die meisten Whisky-Begeisterten einig. Das Getränk fordert die Sinne und verlangt Geduld und Aufmerksamkeit, die bereits beim Einschenken beginnt:

  1. Wie bei einem guten Wein ist für die Entfaltung des Geschmacks auch beim Whisky das richtige Glas entscheidend. Experten raten zu tulpenartig geformten, eher kleineren Gläsern. In ihnen sollen sich die unterschiedlichen Aromen besonders gut sammeln. Auch der sogenannte Tumbler (ein breites Glas mit schwerem Boden) ist bei Genießern beliebt. Im Glas wird das Getränk zunächst betrachtet. Indem Sie das Glas schwenken, lassen sich Schlieren beobachten: Diese werden durch sogenannte Fuselöle verursacht, die wichtige Geschmacksträger sind.
  2. Der zweite Schritt wird „Nosing“ genannt, das Riechen. Lassen Sie sich dafür Zeit und versuchen Sie mit einem kurzen, tiefen Atemzug die Aromen zu erkennen. Der Alkohol betäubt den Geruchssinn, atmen Sie also nicht zu lange ein. Übrigens riecht der Mensch nicht mit beiden Nasenlöchern gleich gut: Finden Sie heraus, mit welchem Nasenloch Sie den besseren Riecher haben. Mit etwas Übung gelingt das Erkennen der einzelnen Duftnuancen immer besser.

    Im richtigen Glas entfaltet sich das Aroma des Whiskys besonders gut.
    Kenner trinken Whisky aus kleinen Gläsern in Tulpenform – in ihnen soll sich der Geschmack besonders gut entfalten.
  3. Nun nehmen Sie einen kleinen Schluck Whisky in den Mund. Während viele andere Spirituosen einfach gekippt werden, verhält es sich hier anders: Denn die Aromen entfalten sich besonders gut, wenn der Whisky sich im Mund mit dem Speichel vermischt. Nehmen Sie sich Zeit für einen weiteren tiefen Atemzug, um eventuell neue Aromen zu erschließen. Expertentipp: Wenn Sie sich unsicher sind, wie lange der Whisky im Mund bleibt, werfen Sie einen Blick auf das Flaschenetikett. Pro Jahr, die ein Destillat gereift ist, sollte das Getränk eine Sekunde lang im Mund verbleiben.
  4. Im vierten Schritt trinken Sie den Whisky endlich. Genießen Sie das warme Gefühl, schmecken Sie aber auch nach, welche Aromen im Mund noch übrig geblieben sind. Welcher Geschmack bleibt am Gaumen? Und erkennen Sie nun vielleicht noch andere Aromen, die Ihnen zuvor nicht aufgefallen sind?

Grundsätzlich gilt: Beim Whiskygenuss kommt es vor allem Dingen auf den persönlichen Geschmack an. Kritiken oder Beurteilungen von Fachmagazinen sind deshalb nicht immer hilfreich. Die Hauptsache ist, dass Ihnen der Whisky schmeckt.

Was hat es mit der „Trinkstärke“ auf sich?

Whiskykenner sprechen häufig davon, ihren Drink „auf Trinkstärke zu reduzieren“. Dies bezieht sich auf den Alkoholgehalt des Whiskys, der heute üblicherweise mit einer Stärke zwischen 40 und 43 Vol.-% getrunken wird. Viele stärkere Whiskys werden daher mit Wasser gestreckt, bevor sie in Flaschen für den Verkauf abgefüllt werden, um die Fassstärke („cask strength“) zu reduzieren. Werden die Aromen nicht vom Alkohol überlagert, kommen sie besser zur Geltung.

Im Normalfall wird Whisky anfangs mit rund 63 Vol.-% Alkohol in Fässer abgefüllt und dann gelagert. Mit den Jahren reduziert sich die Alkoholstärke im Whisky, da der Alkohol durch die hölzernen Fasswände entweicht. Im Schnitt gehen so 0,5 bis 1 Prozentpunkt der Alkoholstärke verloren. Gleichzeitig gewinnt der Whisky durch die Inhaltstoffe aus dem Holz an Aroma. Purer Whisky hat in der Regel nach der Abfüllung zwar nur noch einen 50 bis 60 prozentigen Alkoholgehalt, ist für die empfindlichen Geschmacksknospen der Zunge aber meist dennoch zu stark. Mundraum und Zunge werden vom Alkohol betäubt, wodurch das Geschmacksempfinden massiv beeinträchtigt wird. Eine Reduzierung des Alkoholgehalts auf Trinkstärke ist daher durchaus sinnvoll. Viele beginnen auch mit einer starken Verdünnung und mindern diese dann, wenn sich der Gaumen an den Geschmack gewöhnt hat.

Um auf den gewünschten Alkoholgehalt von 40 bis 43 Prozent zu kommen, gibt es verschiedene Rechenverfahren. Zum einen lässt sich über den absoluten Alkoholgehalt der Prozentsatz nach dem Hinzufügen einer bestimmten Menge Wasser bestimmen. Beispiel: In einem Glas befinden sich 4cl eines Whiskys mit 46 Vol.-%. Um wie viel wird der Alkoholgehalt reduziert, wenn 2cl Wasser hinzugefügt werden? Zum anderen lässt sich der Prozentsatz über das sogenannte Mischungskreuz ermittelt. Beispiel: In einem Glas befinden sich 4cl eines Whiskys mit 57 Vol.-%. Wie viel Wasser ist nötig, um den Alkoholgehalt auf 40 Prozent zu bringen? Freeware Rechner gibt es z. B. als Download im Internet.

Welches Wasser eignet sich zum Reduzieren der Trinkstärke?

Zum Verdünnen sollte ausschließlich Stilles Wasser verwendet werden, das möglichst geschmacksneutral ist. Experten empfehlen original schottisches oder französisches stilles Mineralwasser oder auch natürlich destilliertes oder deionisiertes Wasser.
Achtung: Das destillierte bzw. deionisierte Wasser nie pur und in größeren Mengen trinken. Durch den Mangel an Ionen können sie den körpereigenen Mineralhaushalt stark schädigen und im schlimmsten Fall sogar lebensbedrohend wirken.

Whisky ist ein Genusserlebnis

Die große Aromavielfalt macht Whisky zu einem Traditionsgetränk. Dabei spielt sowohl der Herstellungsort als auch das Verfahren eine Rolle. So zeichnen sich speziell Destillate aus Schottland durch ihren sehr torfigen Geschmack aus. Torf war in Krisenzeiten der einzige Brennstoff der Schotten. Sie trockneten das feuchte Malz im Rauch des Torffeuers. Je stärker die Rauchentwicklung und die Räucherzeit, desto intensiver der Torfgeschmack. Die Intensität wird in ppm („parts per million“) gemessen: 40 bis 50 ppm sind  bereits starke Torfaromen, bei 150 bis 200 ppm ist das Getränk fast ungenießbar. Unter Kennern ist die schottische Insel Islay besonders bekannt für seine rauchigen Whisky-Sorten. Der Name ist gälischen Ursprungs und wird „eye-la“ ausgesprochen (das S und das Y bleiben stumm). Die sehr rauchigen Whiskys stammen etwa aus den Brennereien Ardberg, Laphroaig, Bowmore, Bruichladdich oder Lagavulin.

Der Name verrät den Ursprung

Whisky (oder in den USA auch Whiskey) ist ein Destillat aus Getreidemaische, dessen Tradition bis ins 5. Jahrhundert zurückreicht. Ursprünglich sollen christliche Mönche eine alkoholhaltige Flüssigkeit namens „aquavite“ (Lateinisch für „Wasser des Lebens“) hergestellt haben. Sowohl Irland als auch Schottland kommen als Ursprungsland infrage.

Destillerie in Schottland.
In dieser urigen Destillerie im schottischen Speyside wird Whisky hergestellt.

Aus welchem Getreide der jeweilige Whisky hergestellt wurde, lässt sich übrigens an den unterschiedlichen Bezeichnungen erkennen:

Grain: Die Destillate bestehen aus Weizen, ungemälzter Gerste und Hafer. Grain Whiskys sind am günstigsten, weshalb sie die Grundlage für die meisten Blended Whiskys bilden.

Rye: Dieser Whisky besteht zu mindestens 51 Prozent aus Roggen.

Bourbon: Grundlage sowohl für den Bourbon als auch den Corn ist Mais. Beim Bourbon müssen mindestens 51 Prozent, beim Corn mindestens 80 Prozent aus Mais bestehen.

Malt: Dieser Whisky wird aus gemälzter Gerste gebrannt.

Blended: Dieser Zusatz ist das Zeichen für ein Markenprodukt mit immer gleichem Geschmack wie etwa „Johnny Walker“. Blended Whiskys sind eine Mischung aus verschiedenen Destillaten (meistens Grain).

Woher genau ein Whisky stammt, spiegelt sich ebenfalls in seinem Namen. So ist Speyside Whisky zum Beispiel ein Schottischer Whisky aus der Region Speyside. Einige Herkunftsbezeichnungen sind sogar gesetzlich geschützt, d.h. der Whisky muss bestimmte Voraussetzungen (zum Beispiel ein Mindestlagerungsalter) erfüllen. Nur dann darf er diese Bezeichnung tragen.

Whisky lagert mehrere Jahre lang in Fässern.
Whisky lagert mehrere Jahre lang in Fässern.

Was Sie sonst noch über Whisky wissen sollten

In Europa muss Whisky folgende Kriterien erfüllen, um als solcher verkauft zu werden:

  • er muss durch Destillieren von Getreidemalzmaische gewonnen worden sein
  • sein Alkoholgehalt muss zwischen 40 und 94,8 Vol.-% liegen
  • der Whisky muss mindestens drei Jahren lange in Holzfässern reifen, die maximal 700 Liter fassen

In anderen Ländern gibt es weniger strenge Auflagen. Die minimale Lagerzeit in Uruguay beträgt beispielsweise nur zwei Jahre – das Destillat darf daher in Europa  nicht als „Whisky“ verkauft werden.

Tipp: Ein besonders Destillat, schön verpackt mit passendem Glas, ist ein originelles Geschenk zum Geburtstag oder auch zu Weihnachten.

Rezepte für die beliebtesten Whisky-Cocktails finden Sie hier.

 

Fotos: Dmitry Ersler @Fotolia, auremar @Fotolia, C.M.M. @Fotolia, saiko3 @Fotolia

Ein Kommentar

  1. Danke für den ausführlichen Beitrag. Entspannung fängt mit einem schönen Drink am Abend an, dazu Familie und ein prasselndes Feuer im Kamin. Leider passiert das viel zu selten. Weiter so!
    Es grüßt
    Der Blogga

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