Der Kessel ist alt, der Heizenergieverbrauch zu hoch, die Wartungskosten steigen: Viele Hausbesitzer:innen von Altbauten stehen vor diesen Problemen. Die Entscheidung, die alte Heizungsanlage zu ersetzen, ist unausweichlich. Gleichzeitig wächst bei vielen der Wunsch, das eigene Zuhause nicht nur energetisch zu modernisieren, sondern es auch langfristig klimafreundlich und zukunftssicher aufzustellen.
Aber welche Technik passt zu einem Gebäude, das vielleicht noch mit Radiatoren aus den 70er-Jahren ausgestattet ist und keinen Quadratmeter Dämmung kennt?
Wärmepumpen gelten als Schlüsseltechnologie für die Energiewende. Sie arbeiten klimafreundlich, brauchen keinen Brennstofftank und lassen sich mit Solarstrom kombinieren. Doch wie realistisch ist ihr Einsatz im unsanierten oder teilsanierten Altbau? Und was bedeutet das für Sie konkret? Die gute Nachricht: Mit guter Planung ist der Umstieg oft möglich. Fachlich fundierte und unabhängige Beratung hilft, passende Lösungen für jedes Haus zu finden
Moderne Wärmepumpen eignen sich nicht nur für Neubauten, auch Altbauten können energetisch modernisiert und aufgewertet werden
Wie Wärmepumpen funktionieren – und worauf Sie achten sollten
Wärmepumpen gewinnen Heizwärme aus der Umwelt: Aus der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser wird Wärme entzogen, über ein Kältemittel aufbereitet und ins Haus transportiert. Angetrieben wird dieses System durch Strom. Je niedriger die Vorlauftemperatur des Heizsystems, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe.
Luft-Wasser-Wärmepumpen sind besonders weit verbreitet, weil sie ohne Bohrung auskommen. Erd- und Grundwasserwärmepumpen sind oft effizienter, stellen aber höhere Anforderungen an das Grundstück. Eine fachgerechte Planung entscheidet hier über die Wirtschaftlichkeit.
Achten Sie bei der Auswahl auf die Jahresarbeitszahl (JAZ): Sie beschreibt, wie viel Wärme pro eingesetzter Kilowattstunde Strom erzeugt wird. Je höher die JAZ, desto besser.
Was Ihr Altbau können muss – und was Sie verbessern können
Altbauten sind oft nicht für niedrige Vorlauftemperaturen ausgelegt. Zugige Fenster, dünne Wände und kleine Heizkörper erfordern hohe Temperaturen – das senkt die Effizienz der Wärmepumpe deutlich. Aber: Schon schrittweise Verbesserungen reichen aus, um die Voraussetzungen für den effizienten Betrieb zu schaffen.
Beginnen Sie dort, wo der Wärmeverlust am größten ist: Dachflächen, Kellerdecken und Fenster. Tauschen Sie veraltete Heizkörper gegen Modelle mit größerer Fläche oder integrierten Ventilatoren aus. Lassen Sie den hydraulischen Abgleich durchführen, um die Wärme im Haus gleichmäßig zu verteilen. All das reduziert die Vorlauftemperatur und verbessert die Effizienz Ihrer zukünftigen Wärmepumpe.
Damit sich die Wirkung einer Wärmepumpe in allen Räumen voll entfalten kann, helfen moderne Heizkörper mit größeren Flächen.
Realistische Erwartungen statt Heizungsfrust
Viele Fehler beim Heizungstausch entstehen durch unrealistische Annahmen. Eine Wärmepumpe funktioniert grundlegend anders als ein Ölkessel. Wenn Sie erwarten, dass die neue Technik im Altbau ohne weitere Anpassungen genau wie die alte arbeitet, riskieren Sie hohe Stromkosten und kalte Räume.
Vermeiden Sie diese häufigen Fehler:
- Die Wärmequelle wird zu knapp dimensioniert, etwa bei Erdsonden oder Grundwasserentnahme.
- Die Heizflächen sind zu klein für eine effiziente Wärmeverteilung bei niedriger Temperatur.
- Pufferspeicher oder geeignete Regelungssysteme fehlen.
Lassen Sie sich professionell unterstützen, um solche Planungsfehler zu vermeiden. Die Fachleute der Energieberatung der Verbraucherzentrale unterstützen Sie gern dabei, die Anforderungen Ihres Hauses zu erfassen und das passende System zu ermitteln.
Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
Zwischen den Angeboten für den Einbau einer Wärmepumpe können die Unterschiede bis zu 40.000 Euro auseinanderliegen. Daher lohnt sich der genaue Vergleich mehrerer Anbieter immer.
Schon bevor die alte Heizung ausgebaut wird, können Sie erste Schritte gehen. Senken Sie die Heizkurve Ihrer bestehenden Anlage. Dichten Sie Fenster und Türen ab. Lassen Sie überprüfen, welche Räume überhitzt oder zu wenig beheizt werden. Allein diese einfachen Maßnahmen helfen, das Haus auf den Betrieb mit einer Wärmepumpe vorzubereiten.
Gut zu wissen:
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Eine individuelle Energieberatung bei der Verbraucherzentrale liefert praxisnahe Empfehlungen, wie Sie mit überschaubarem Aufwand die Effizienz Ihres Hauses steigern können. Die Auswahl einer geeigneten Wärmepumpe kann so fundiert vorbereitet werden.
Angebote verstehen und vergleichen
Vor allem im Altbau lohnt sich ein genauer Blick auf Angebote für eine Wärmepumpe. Denn in der Praxis zeigt sich: Die eingereichten Unterlagen unterscheiden sich oft stark – nicht nur im Preis, sondern auch in der Leistung und den enthaltenen Arbeiten. Untersuchungen in den Verbraucherzentralen zeigten, , dass zwischen Angeboten Kostenunterschiede von mehr als 40.000 Euro auftreten können. Ursache sind unter anderem uneinheitliche Leistungsbeschreibungen, fehlende Angaben zu notwendigen Zusatzarbeiten oder Geräte, die nicht optimal zur Gebäudesituation passen.
Für Sie bedeutet das: Prüfen Sie, ob das Angebot wirklich alles enthält, was erforderlich ist. Dazu zählen zum Beispiel Elektroanschlüsse, Fundamentarbeiten im Außenbereich oder notwendige Anpassungen am Heizsystem. Solche Posten werden in Angeboten häufig als „bauseits“ ausgewiesen – mit der Folge, dass zusätzliche und oft erhebliche Kosten entstehen.
Ein Angebotsvergleich hilft Ihnen, realistisch einzuschätzen, ob die vorgeschlagene Technik sinnvoll geplant ist. Dazu gehört, dass die Dimensionierung zur Heizlast des Hauses passt, die Wärmequelle korrekt bemessen wurde und die Effizienzvorgaben erfüllt werden. Unterstützung bietet ein Angebotsvergleich von der Energieberatung der Verbraucherzentrale. Bis zu drei Wärmepumpen-Angebote werden fachlich analysiert und in einer persönlichen Beratung besprochen. Im Gespräch können dabei auch Fragen zu Einbau, Geräteeigenschaften und weiteren Planungsschritten geklärt werden.
Kosten und Förderung: Das sollten Sie wissen: Das sollten Sie wissen
Eine neue Wärmepumpe kostet je nach System zwischen 25.000 und 37.000 Euro. Erd- und Grundwasserwärmepumpen benötigen zusätzliche Bohrungen oder Genehmigungen. Diese Investition ist nicht gering – wird aber durch attraktive staatliche Förderungen abgefedert.
Informieren Sie sich frühzeitig über die aktuellen Förderprogramme. Sie können bis zu 70 Prozent der Kosten zurückerhalten, insbesondere wenn Sie von Öl oder Gas auf eine Wärmepumpe umsteigen und bestimmte Effizienzvorgaben einhalten. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale unterstützt Sie dabei, alle technischen und formalen Voraussetzungen zu erfüllen.
Gut beraten in die Zukunft
Eine Wärmepumpe kann auch in einem Altbau effizient und wirtschaftlich arbeiten. Vorausgesetzt, das System ist gut geplant, die baulichen Voraussetzungen sind bekannt und passende Maßnahmen werden sinnvoll kombiniert.
Wenn Sie den Umstieg angehen wollen, nutzen Sie die fachkundige und unabhängige Energieberatung der Verbraucherzentrale. So gewinnen Sie Sicherheit bei der Entscheidung – für Ihr Haus, Ihr Budget und das Klima.
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