Eine Städtereise im Januar hat ihren eigenen Reiz. Weniger Menschen an den Sehenswürdigkeiten, günstigere Unterkünfte, früh einsetzende Dämmerung und Cafés, in denen man tatsächlich einen Platz bekommt. Wer dafür nicht ins Flugzeug steigen möchte, findet in Europa ein Bahnangebot, das sich gerade in zwei Richtungen gleichzeitig entwickelt. Neue Strecken kommen dazu, andere verschwinden. Es lohnt sich, den aktuellen Stand zu kennen, bevor man plant.

Das Bahnjahr 2026 verläuft in zwei Richtungen

Der europäische Bahnverkehr wächst, neue Hochgeschwindigkeitsstrecken und internationale Verbindungen entstehen. Ausgerechnet der Nachtzug steckt dabei fest, was 2026 zu einem Jahr der Gegensätze macht.

Die Zahlen einer aktuellen Nachtzugkarte zeigen das deutlich: Fünf Verbindungen kamen neu hinzu, gleichzeitig entfielen zehn, darunter mehrere beliebte Nightjet-Strecken und die 1.456 Kilometer lange Route Stockholm nach Narvik, eine der längsten Nachtzugverbindungen Europas. Einige Angebote wurden zudem verkürzt.

Der Grund liegt in der Wirtschaftlichkeit. Nachtzüge fahren pro Garnitur nur einmal pro Nacht, brauchen mehr Personal und teures Spezialmaterial, ein einzelner Schlafwagen kostet rund zwei Millionen Euro. Die Nachfrage ist da, viele Verbindungen sind Monate im Voraus ausgebucht, doch die Investitionen bleiben aus.

Diese Verbindungen sind neu im Netz

Trotz der Lage gibt es 2026 eine Reihe von Zuwächsen. Das belgisch-niederländische Unternehmen European Sleeper hat die Nachtzugverbindung zwischen Paris und Berlin übernommen, nachdem die Österreichischen Bundesbahnen ihre Nightjets zwischen Paris, Wien und Berlin zum 14. Dezember 2025 eingestellt hatten, weil französische Fördermittel wegfielen.

Nachtzug am Bahnsteig in der Dämmerung für eine Winterreise mit der Bahn, warm beleuchtete Schlafwagenfenster, ein Reisender steigt ein.

Fünf Verbindungen für die Winterreise mit der Bahn kamen 2026 neu hinzu, zehn entfielen. Wer plant, prüft den aktuellen Fahrplan statt der Erinnerung an frühere Jahre.

Seit dem 1. Mai 2026 verbindet eine ganzjährige Direktverbindung Prag und Kopenhagen über Berlin, betrieben von der Deutschen Bahn gemeinsam mit den dänischen und tschechischen Bahnen. Zwischen Berlin und Kopenhagen liegt die Fahrzeit bei rund sieben Stunden, zwischen Prag und Kopenhagen bei etwa elf.

Dazu kommt eine neue Nachtzugverbindung von Amsterdam und Brüssel über die Schweiz bis nach Mailand, rund 1.100 Kilometer durch vier Länder. Polen baut sein Angebot ebenfalls aus, unter anderem mit Verbindungen zwischen Deutschland und Polen und einem dauerhaften Schlafwagen im Baltic Express zwischen Gdynia und Prag.

Auf der Tagesstrecke schickt Trenitalia ihre Frecciarossa-Hochgeschwindigkeitszüge erstmals nach Deutschland und Österreich, mit Verbindungen von Mailand nach München in etwa sechseinhalb Stunden und von Rom nach München in rund achteinhalb.

Zehn bis fünfzehn Stunden sind die sinnvolle Spanne

Ein ADAC-Test kommt zu einer brauchbaren Faustregel: Als Alternative zu Flugzeug und Auto taugt der Nachtzug vor allem dann, wenn direkte Züge mit einer Reisezeit von zehn bis maximal etwa fünfzehn Stunden zur Verfügung stehen. Bei größeren Entfernungen mit mehreren Umstiegen sinkt der Vorteil deutlich.

Der Grund ist praktischer Natur. Mit jedem Umstieg steigt das Risiko, einen Anschluss zu verpassen. Eine Anschlussgarantie besteht vor allem dann nicht, wenn Teilabschnitte bei verschiedenen Bahngesellschaften gebucht wurden. Zwar existiert ein Abkommen von sechzehn europäischen Betreibern, gestrandeten Fahrgästen die kostenlose Weiterfahrt zu ermöglichen, einen Rechtsanspruch darauf haben Reisende jedoch nicht.

Für die Planung heißt das: Buchen Sie eine Reise nach Möglichkeit als eine Verbindung bei einem Anbieter, nicht als drei einzelne Tickets. Und planen Sie bei Umstiegen im Winter großzügiger als die Mindestumsteigezeit vorgibt.

Die Hotelnacht entfällt, das Hotelgefühl auch

Wer abends einsteigt, kommt oft am nächsten Morgen an. Für Wochenendtrips und kurze Städtereisen bedeutet das einen doppelten Gewinn: Eine Hotelnacht entfällt, und der erste Urlaubstag beginnt direkt vor Ort.

Ehrlicherweise gehört dazu die Einschränkung, dass sich ein Nachtzug nicht wie ein Hotel anfühlt. Genau diese Mischung aus Zugreise und Übernachtung macht für viele allerdings den Reiz aus, und viele Nachtzüge sind heute deutlich moderner ausgestattet als noch vor einigen Jahrzehnten.

Für die Wahl der Kategorie gilt eine einfache Regel: Sitzwagen für kurze Strecken und knappe Budgets, Liegewagen als Kompromiss, Schlafwagen dann, wenn Sie am nächsten Tag ausgeruht sein müssen. Wer schlecht schläft, sollte den Aufpreis für ein Einzel- oder Doppelabteil einkalkulieren, sonst kippt die Rechnung gegenüber einer Hotelnacht.

Im Winter gehören Reserven in den Plan

Zwischen Dezember und Februar sind Verspätungen wahrscheinlicher, durch Schnee, Sturm oder Weichenstörungen. Das spricht nicht gegen die Bahn, verändert aber die Planung.

Geöffneter Rucksack auf einem Zugsitz mit warmer Schicht, Wasserflasche, Powerbank und Ticket.

Bei manchen neuen Verbindungen ist keine Gastronomie vorgesehen. Warme Schicht, Proviant und Powerbank gehören deshalb ins Handgepäck.

Legen Sie Anschlusstermine nicht auf den Ankunftstag. Wer zu einer Feier, einem Konzert oder einem Fährtermin reist, plant lieber eine Nacht Puffer ein. Packen Sie außerdem so, dass eine Verzögerung von einigen Stunden nicht zum Problem wird: warme Schicht im Handgepäck, Wasser, etwas zu essen, Powerbank und wichtige Medikamente griffbereit. Bei manchen neuen Verbindungen ist Gastronomie zunächst nicht vorgesehen, Proviant gehört dort ausdrücklich dazu.

Fahrgastrechte helfen im Nachhinein: Ab 60 Minuten Verspätung am Zielort besteht in der Regel Anspruch auf eine Entschädigung von 25 Prozent des Fahrpreises, ab 120 Minuten auf 50 Prozent. Heben Sie das Ticket und Belege für zusätzliche Kosten auf.

Früh buchen entscheidet über den Preis

Sparpreise sind kontingentiert, und bei internationalen Verbindungen öffnet der Verkauf oft erst wenige Monate vor der Fahrt. Für eine Reise im Januar heißt das: Der Blick lohnt sich ab Oktober, spätestens ab November.

Eine BahnCard 25 bringt 25 Prozent Rabatt auf viele internationale Tickets, die über die Deutsche Bahn gebucht werden, auch auf Nightjet-Verbindungen, mit der BahnCard 50 sind es 50 Prozent auf den Flexpreis. Ob sich die Jahreskarte lohnt, hängt schlicht davon ab, wie oft Sie fahren.

Vergleichen Sie außerdem die Buchungswege. Dieselbe Verbindung kostet bei der ausländischen Bahngesellschaft manchmal weniger als beim deutschen Anbieter, dafür ist die Rückerstattung im Störungsfall oft umständlicher.

Ein Nachtzug ist kein Verzicht

Die Bahn emittiert pro Personenkilometer deutlich weniger als ein Flug, und das ist für viele der Ausgangspunkt. Der eigentliche Grund, warum Menschen dabeibleiben, ist ein anderer: der Moment am Morgen, wenn man den Vorhang zur Seite schiebt und draußen eine andere Landschaft liegt als am Abend. Wer das einmal erlebt hat, plant die nächste Reise anders. Und im Januar ist der Wagen erfahrungsgemäß angenehm leer.

Hand schiebt im Schlafwagen den Vorhang zur Seite, draußen zieht eine verschneite Landschaft vorbei.

Eine Hotelnacht entfällt, und der erste Urlaubstag beginnt direkt vor Ort. Für Wochenendtrips ist das der eigentliche Zeitgewinn.

Fotos: Textnetz, Generiert mit KI